Alt sein
Seit Mittwoch bin ich nicht mehr Alt. Sondern Sopran. Ich bin noch immer nicht darüber hinweg. Seit ich den Stimmbruch bewältigt hatte (und ja, auch Frauen kommen in den Stimmbruch), habe ich immer nur im Alt gesungen. Kein Chorleiter hat je etwas anderes behauptet als dass ich Alt sei. Nun könnte ich mir ja einfach sagen: Gut, dann singe ich ab jetzt eben da drüben auf der gegenüberliegenden Seite mit. Was soll´s.
Aber: Altistin zu sein, ist ja nicht einfach nur eine Frage der Stimmlage, sondern gewissermaßen eine der Identität. (Fragt mal im Tenor oder im Bass nach, da dürfte das noch ausgeprägter sein...) Nein, wir Altisten sind die Soliden, die Uneuphorischen. Die, die man fast nie richtig hört, die dem Ganzen aber erst ihre Harmonie geben, ihre Tiefe. Nicht wie die Soprane, die da irgendwo in hohen Höhen
Und da kommt dieser Mensch, seines Zeichens Chorleiter, daher, und wirft die ganze Ordnung über den Haufen. Als ob man so von heut auf morgen ohne Vorwarnung wechseln könnte. Aber mit mir nicht, Bürschchen. Nach dem Konzert am Volkstrauertag bin ich weg. Pah.



